Lebkuchen - Warum wir jedes Jahr zu Weihnachten ein Haus backen

Jedes Jahr frage ich meinen Sohn, "Muss das wirklich wieder sein?" und ernte verständnisslose Blicke, ob meiner Zweifel. Ein Lebkuchen-Haus gehört bei uns zur Vorweihnachtszeit einfach dazu.

 

Also geht es jedes Jahr Anfang der Adventszeit los: Der Teig muss vorbereitet werden, weil er mindestens 1 bis 2 Tage ruhen muss. Wir backen nämlich nicht irgendwie, sondern den "richtigen" Lebkuchen. Mit Potasche (statt Backpulver), viel Honig (von fleißigen Bienchen aus Mering und Umgebung), dreierlei Mehl (Roggen-, Dinkel- und etwas Weizenmehl), den typischen Gewürzen und gutem Kakao. Die Mühe lohnt sich, denn unsere Lebkuchen schmecken unvergleichlich gut. Je länger sie liegen, desto mürber und aromatischer werden sie.

 

Eine Modernisierung gab es 2015 doch bei uns: Statt eines Hexenhäuschens wurde in der "Kreativwerkstatt Krämer" erstmalig eine Christkindlsmarktbude gewünscht, geplant und umgesetzt. Sogar eine Bank ist hinzugekommen. Verziert wird wie immer mit verschiedenen Nüssen, getrockneten Beeren, ein paar Cocktailkirschen (der Optik wegen), Zuckerguss und wenigen anderen Zutaten, wie Mini-Baisers (Schornstein) und Zuckerperlchen. Der Restteig wird in Form von Schaukelpferden, Herzen und Dinosauriern ausgestochen und mit einem Loch versehen (Strohhalm als Ausstecher). Denn so kann man Lebkuchen-Anhänger verschenken und/oder an den Weihnachtsbaum hängen.

 

Eine kleine Geschichte des Lebkuchens

Über die genaue Herkunft und Bedeutung des Wortes ist man sich in der Forschung uneinig. Der Wortteil Leb kann sprachwissenschaftlich von „Leib“ und „Leben" oder von "Leib Christi“ stammen aber auch von "Laib", wie der Laib Brot im Mittelalter bezeichnet wurde. Damals bezeichnete man auch Gebäck oder Brot in Form eines runden Fladens so. Das Wort kann auch vom lateinischen “libum” stammen, einem runden flachen Teigkuchen, der für Opferzeremonien gebacken wurde. Es gibt auch - vor allem im Osten Deutschlands - die Bezeichnung Pfefferkuchen. Sie geht auf das Mittelalter zurück, als die exotischen Gewürze, die wesentlicher Bestandteil des Gebäcks sind, ganz allgemein als „Pfeffer“ bezeichnet wurden. Auf orientalische Zutaten weisen auch die englischen und französischen Begriffe gingerbread (Ingwerbrot) und pain d'épices (Gewürzbrot) hin. Die Abwandlung Honigkuchen nennt einen weiteren typischen Bestandteil des Gebäcks. Die gemeinsame Verwendung ist allen, eine außergewöhnliche (wegen der kostbaren Gewürze) und vor allem sehr lang haltbare und sattmachende Speise in der langen, dunklen Winterzeit.

 

Weiterführende Infos:

Lebkuchengebäcke mit Vergangenheit - zur Kulturgeschichte eines Backwerks, auf: www.kaiserfranz.at

 

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